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Love it, change it, leave it


Schnell und effektiv Stress minimieren und glücklicher leben


Begegnungen mit Menschen und eine gute Zeit mit ihnen zu verbringen, gehört zu den liebsten Beschäftigungen von Betül Hanisch. Dass solche Zusammentreffen durchaus ihre Tücken haben können, erfuhr Hanisch schon bei ihrem Berufseinstieg in 10‘000 Metern Höhe. Als ehemalige Flugbegleiterin hat sie zwischenmenschliches Verhalten intensiv studieren können. Nach einer zweijährigen Ausbildung bei einem echten Butler in Grossbritannien hat Betül Hanisch ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und ihre eigene Knigge-Schule eröffnet. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist sie nun schon erfolgreich als Knigge- und Körpersprache-Trainerin, Coach und Vortragsrednerin unterwegs, um Menschen zu erklären, wie man auf «wundervoll wertschätzende Weise» zusammenfindet. Viele kennen mittlerweile die «Knigge-Frau» auch aus den Social-Media-Kanälen. Wir durften bei Betül Hanisch einige spannende Tipps und Tricks für weniger Stress und mehr Zufriedenheit im Alltag erfahren.


Frau Hanisch, Sie haben immer viel zu tun. Welche Tipps aus Ihrem eigenen, oft stressigen Alltag möchten Sie unseren Praxisheldinnen weitergeben?


Eine meiner Lieblingsübungen ist die BOX-Atmung. Sie kann hervorragend in Arbeitspausen angewendet werden. Die BOX-Atmung heisst so, weil sie wie eine Schachtel vier Seiten/vier Schritte hat und sie wirkt Wunder:

4-Sekunden-Einatmen
4-Sekunden-Atem halten
4-Sekunden-Ausatmen
4-Sekunden-Atem-halten

Wiederholen Sie diese Atemübung viermal hintereinander. Jede Box-Einheit ist ein Booster für Ihre Gesundheit, den Stressabbau und Ihr Wohlbefinden.


Mit einem Stift die Glückshormone steigern – wie soll das funktionieren?


Für mehr Serotonin (Glückshormon) im Blut nehmen Sie einen Stift quer zwischen die Zähne und halten ihn nur mit den Zähnen fest. Die Lippen berühren den Stift dabei nicht. Drei Minuten reichen aus, um die gleichen Muskelgruppen wie beim Lachen zu aktivieren und dem Gehirn zu signalisieren, dass Sie glücklich sind. Als Belohnung werden Glückshormone ausgeschüttet. Überhaupt lautet das Passwort für ein gelingendes Leben Humor! Kinder lachen bis zu 300-mal am Tag, Erwachsene nur noch 15-mal. Schade, denn wir lachen nicht, weil wir glücklich sind. Wir sind glücklich, weil wir lachen. Also nutzen Sie jede Gelegenheit, herzhaft zu lachen. Zum Beispiel bei freudvollen Begegnungen mit netten Menschen, die Ihnen guttun.


Verraten Sie uns Ihr ganz eigenes Sorgen-Sortiersystem?


Gerne! Hadern Sie nicht zu lange mit Ihren Sorgen, sondern nutzen Sie Ihre Energie dafür, eine Entscheidung bezüglich dieser Sorgen zu treffen. Dabei hilft das System LOVE IT – CHANGE IT – LEAVE IT. Versuchen Sie, Ihr Problem/Ihre Sorge mit all seinen Macken zu lieben statt es zu bekämpfen. Für viele Herausforderungen (Partner, Job, Kind), ist das bereits die Lösung. Gelingt das nicht, geht es zur nächsten Stufe. Verschwenden Sie keine Energie für Schimpfen und Jammern, sondern nutzen Sie sie, um etwas daran zu ändern. Die letzte Option bleibt für Sorgen, die man am besten beendet. Wichtig ist in jedem Fall, endlich eine Entscheidung zu treffen. Denn der grösste Stress entsteht durch ungelöste Zustände.


Wieso hilft manchmal einfach essen?


Das klingt im ersten Moment wie ein Scherz, ist jedoch sehr ernst gemeint. Die meisten von uns sind unerträglich, wenn sie hungrig sind. Das sollten wir weder Kolleginnen noch Patienten antun. Zumal ein einmal ausgesprochenes Wort nicht mehr zurückgeholt werden kann.


Wann ist der beste Zeitpunkt, Konflikte anzusprechen?


Wenn Sie einer Person etwas mitteilen möchten, sollte das immer unter vier Augen geschehen. Der richtige Zeitpunkt ist dabei entscheidend. Der schlechteste Moment ist, wenn die Emotionen gerade am Kochen sind. Lieber ein paar Minuten, ein paar Stunden, ein paar Tage warten. Dann hat sich Ihr Gemüt beruhigt und Sie wählen viel konstruktivere Worte, um die Sache beizulegen. Klären sollte man Konflikte immer, denn die betroffene Person spürt meist, dass etwas nicht stimmt. Auch wenn Sie Angst vor der Konfrontation haben, nicht gleich den richtigen Zeitpunkt finden, nicht wissen, was Sie sagen können, bedenken Sie: wo Kommunikation aufhört, beginnt Krieg. Miteinander sprechen ist immer die bessere Lösung.


Frau Hanisch, Sie sagen: Erst ich, dann die anderen. Ist das nicht sehr egoistisch?


Das hört sich egoistisch an und entspricht bei vielen nicht dem moralischen Wertesystem, indem sie aufgewachsen sind. Doch genau da ist «der Hund begraben». Wenn Sie sich selbst nicht für wichtig nehmen, werden Sie für andere auch nicht wirklich wertvoll erscheinen. Ich habe das als ehemalige Flugbegleiterin früh begriffen. Denn wir haben dem Vater, der Mutter an Bord mit Baby immer die Anweisung gegeben: «Falls die Sauerstoffmasken aus den Ports fallen, legen Sie sich selbst bitte immer zuerst die Maske an und dann erst Ihrem Kind.» Also erst ich, dann die anderen. Denn wenn es Ihnen gut geht, dann geht es allen anderen um Sie herum auch gut. Wenn dieser Hinweis für das wichtigste im Leben, nämlich den Sauerstoff zum Atmen, gilt, dann gilt das für alles andere ebenso. Das ist mein Credo und die Gleichung ging bisher in meinem Leben wunderbar auf.


Betül Hanisch lebt und arbeitet in Freiburg im Breisgau/Deutschland. Für weitere Informationen über ihre Seminare und Knigge-Schule «Fast Perfekt» besuchen Sie gerne ihre Webseite www.knigge-schule.de